Als Startchancen-Schule sucht das Staatliche Berufsschulzentrum „Hugo Mairich“ in Gotha konsequent nach Wegen, Unterricht weiterzuentwickeln und Lernprozesse noch wirksamer zu gestalten. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war unsere Hospitationsfahrt am 28. und 29.05.2026 zur Elly-Heuss-Knapp-Schule in Düsseldorf, die seit vielen Jahren erfolgreich mit dem Konzept des Tageslernens in der Berufsvorbereitung arbeitet.
Die Fahrt wurde aus dem Kollegium heraus initiiert, durch das Schulamt ermöglicht und über das Bundesprogramm Startchancen finanziert. Dass Schulleitung, Kolleginnen und Kollegen sowie Vertreterinnen und Vertreter von Schulamt und Schulverwaltungsamt diesen gemeinsamen Weg gegangen sind, zeigt eindrucksvoll: Bei uns besteht eine hohe Bereitschaft, neue Wege ohne Scheu zu erproben – offen, lernbereit und mit dem klaren Ziel, Schule zukunftsfähig zu gestalten.
Bereits am Anreiseabend wurden wir in Düsseldorf herzlich empfangen und konnten bei einem ersten Kennenlernen in angenehmer Atmosphäre ins Gespräch kommen. Am 29.05.2026 folgten die Hospitationen im Tageslernen: Wir konnten aus vier Tageslernsituationen wählen und teilten uns entsprechend auf. So erhielten wir vielfältige Einblicke in die Umsetzung des Konzepts im Schulalltag. Besonders wertvoll war zudem, dass die Schulleitung nach zwei Unterrichtsstunden auch in organisatorische Prozesse hineinschauen durfte – unter anderem in die Lehrereinsatzplanung und die Stundenplangestaltung.
Nach insgesamt fünf Unterrichtsstunden rundete ein gemeinsamer Austausch die Eindrücke ab. Dabei wurde deutlich, wie durchdacht und praxisnah das Tageslernkonzept arbeitet – und wie gut es geeignet ist, Lernende in der Berufsvorbereitung strukturiert, verbindlich und individuell zu begleiten.
Seit dieser Hospitation ist für uns klar: Das Tageslernen ist ein Ansatz, der auch für unsere Schule großes Potenzial bietet. Deshalb planen wir, das Konzept ab dem kommenden Schuljahr schrittweise an unserem Berufsschulzentrum einzuführen.
Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten, die diese Hospitation ermöglicht haben – insbesondere den Kolleginnen und Kollegen der Elly-Heuss-Knapp-Schule für den warmherzigen Empfang, die offene Tür und die große Bereitschaft, ihr Know-how mit uns zu teilen. Ebenso danken wir dem Schulamt für die Unterstützung und dem Startchancenprogramm für die Finanzierung, die solche Entwicklungsprozesse überhaupt erst möglich macht.
Wir freuen uns, dass für den Herbst dieses Jahres bereits ein Gegenbesuch in Gotha geplant ist – als nächster Schritt in einer Zusammenarbeit, von der beide Seiten profitieren können.
Anfang Juni erlebten unsere beiden Klassen BVJ25‑HB und BVJ25‑HWB erstmals das sogenannte Tageslernen. Im Mittelpunkt stand das fächerübergreifende Projekt „Materialwelten – Kreatives Gestalten mit Epoxidharz“, das Theorie und Praxis auf motivierende Weise miteinander verbindet.
Das Tageslernen folgt dem Prinzip, schulisches Lernen an einem zusammenhängenden Projekt zu organisieren. Über einen längeren Zeitraum arbeiten die Schülerinnen und Schüler selbstständig, handlungsorientiert und im Team an einer komplexen Aufgabe. Fachliche Inhalte werden dabei nicht isoliert, sondern sinnvoll verknüpft. Genau dieses Konzept wurde im Epoxidharz‑Projekt erstmals erprobt.
Ausgehend von einem klar strukturierten Projektantrag und einem verständlichen Arbeitsauftrag bereiteten die Lernenden ihre Arbeit selbstständig vor. Zunächst standen Arbeitssicherheit und Materialkunde im Fokus: Schutzmaßnahmen, korrektes Mischen der Komponenten und ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Werkstoff Epoxidharz waren verbindliche Grundlagen.
Im praktischen Teil mischten die Schülerinnen und Schüler Harz und Härter im richtigen Verhältnis, färbten das Material individuell ein und gossen es in Silikonformen. Mit viel Sorgfalt entstanden Schlüsselanhänger, Flaschenöffner, Ohrringe und weitere kleine Werkstücke. Nach dem Aushärten folgte die Nachbearbeitung: Kanten wurden geschliffen, Oberflächen poliert und die Werkstücke mit Metallringen oder Funktionselementen versehen.
Die Bilder zeigen eindrucksvoll die einzelnen Arbeitsschritte – vom Anmischen über das Gießen bis hin zu den fertigen Produkten – sowie die hohe Konzentration und Eigenverantwortung der Lernenden.
Am Ende des Tages hielten alle Schülerinnen und Schüler ein selbst gestaltetes Werkstück in den Händen, das sie mit nach Hause nehmen durften. Darüber hinaus wurden zahlreiche fachliche Ziele erreicht:
Gleichzeitig wurden überfachliche Kompetenzen wie Teamarbeit, Ausdauer, Genauigkeit und Selbstorganisation gestärkt.
Das erste Tageslernen im BVJ war ein voller Erfolg. Die hohe Motivation, die sichtbaren Ergebnisse und die intensive Auseinandersetzung mit einem realitätsnahen Projekt zeigen, welches Potenzial in diesem Unterrichtskonzept steckt.
Aufgrund der sehr positiven Erfahrungen werden wir den Unterricht im BVJ ab dem kommenden Schuljahr sukzessiv auf das Tageslernkonzept umstellen. Ziel ist es, Lernen noch praxisnäher, strukturierter und lebensweltorientierter zu gestalten – mit Projekten, die Sinn stiften und Lernerfolge sichtbar machen.
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